Lugano stirbt!

Stellt euch ein großes, geräumiges Haus mit einem kleinem Garten in Zentrum der Stadt vor. Es ist ein fast hundertjähriges rotes Haus mit bunten Fensterladen und Fahnen an den Bäumen. Seit vier Jahren hat dort ein libertar Kindergarten seinen Sitz, es war ein einzigartiges Projekt Schweizweit. Die pädagogische Basis war die von Summerhill, um man nahm als Beispiel andere ähnliche Projekte in Spanien und Italien wo die Schulen viel größer und besser organisiert sind. Es wurde von einer zwar kleinen aber unternehmungslustigen Kooperation geleitet die auch im Sinn hatte eine Bar und vielleicht eine Mensa zu eröffnen aber dazu hatten sie die Bewilligung nicht überkommen. Im ersten Stock wurden die Räume einer Yoga Gruppe vermietet und der zweite Stock stand anderen Organisationen zur Verfügung. Es war eine wirkliche Oase inmitten eines von Hochhäusern und großen Straßen dominierten Viertels. Seit ich mich erinnern kann gibt es da zwei wunderschöne Magnolien, die dieses Jahr zum letzten Mal geblüht sind. Nie mehr Kinderspielen, nie mehr ruhige Meditationsstunden, nie mehr Blütenregen weil die Edilarroganz und der Spekulationswahnsinn all dem ein Ende setzen wird. Die Zukunft dieses Ortes? Ein Trümmerhaufen wie der den man eine Strasse weiter schon findet. Und was dann? Niemand weiß es! Es gibt kein Project, keinen Vorschlag, keine Alternative. Vielleich kommt da ein Parkplatz hin, oder vielleicht bleibt da einfach ein „ground-zero" bis jemand genügend Geld aufbringen kann um irgendetwas zu bauen. Es gibt keine Gesetze die das Gebäude, und die Menschen die dort gearbeitet und gelebt haben um einen kreativen und sozial nützlichen Raum zu schaffen, schützen. Die Proteste wurden einfach ignoriert, und genau so auch die Petition mit über tausend Unterschriften. Die Gemeinde und die zuständigen Behörden hielten es nicht einmal für notwendig zu antworten, geschweige denn eine Offizielle Stellung zu nehmen.

Verständnis oder gar Hilfe zu erwarten wäre utopisch, das haben wir mittlerweile erkannt, aber jeder Bürger der eine Petition hat oder sie auch nur unterschreibt hat das RECHT, dass diese ernst genommen wird und das RECHT auf eine Antwort. Wir sind alle enttäuscht, frustriert und demotiviert von der Gleichgültigkeit die wir von allen seiten erfahren mussten. Mit dem Kindergarten verschwindet ein anderer Ecken unserer Stadt und dessen Geschichte. Man wird nicht eine bessere Zukunft erschaffen in dem man die Vergangenheit einfach abreißt. Für „das Häuschen", wie es liebevoll genannt wird, gibt es nichts mehr zu tun aber wir können in Zukunft verhindern, dass Lugano zu einem öffentlichem Parkplatz für die privilegierten vom Kasino wird. Lugano ist am sterben. Erinnert euch, heute ist es unsere Stadt, aber morgen werden sie die zukünftigen Generationen erben. Persönlich möchte ich nicht, dass meine Kinder auf einem Parkplatz aufwachsen müssten.

Tina Olt

SISA e Fesal-E